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Ausverkauf - Die Geschichte hinter der Geschichte

Infinera (US-Konkurrent) kauft Coriant (eine Ausgründung von Nokia-Simens) und macht die deutsche Produktion dicht. Moderner Feudalismus zerstört unseren Wohlstand...

Das Märchen ist so alt wie die Menschheit und solange schon falsch: Mit harter Arbeit kommt man zu Reichtum und der freie Markt hilft dabei.

Nokia Siemens Optical gründet mit Hilfe eines US-Investors (Oak Tree) eine Firma aus, die viele Patente hält und ein strategischer Partner europäischer Telekom-Unternehmen und staatlicher Institutionen ist. Bei Coriant wird (noch) Glasfastertechnologie auf hohem Niveau produziert. Und dann kommt die amerikanische Konkurrenz und kauft die Firma auf. Nach kurzer Zeit wird die Produktion dicht gemacht und nach Taiwan ausgelagert. Ein in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte typischer Fall für die Ausbreitung des Neo-Feudalismus amerikanischer Prägung.

Denn mit dem Kauf und der Schliessung der Werke werden gleich mehrere Ziele erreicht:

  • Europäisches Wissen wandert in die USA und schwächt die hiesige Volkswirtschaft
  • Die Arbeitskosten werden reduziert und führen zu höheren Gewinnen in den USA
  • Die Konzentration der Macht in wenigen Händen geht weiter

Denn wer steckt hinter dieser Geschichte? Es ist ein amerikanischer Investment-Fonds, die texanische Hercules Capital Inc., nach eigenen Angaben der beste Partner für neue Technologien und Unternehmensgründer. Reuters wird da in seiner Beurteilung schon etwas deutlicher: "Das Anlageziel der Gesellschaft besteht darin, die Gesamtrendite des Portfolios zu maximieren....". Es geht also nicht um langfristigen soliden Unternehmensaufbau, sondern um möglichst schnelles Wachstum und die Realisierung des kurzzeitigen Bewertungszuwachses.

Unter diesem Aspekt wird die Aussage der Gewerkschafterin Regina Katerndahl (IG Metall) verständlich, die sagte: "Uns drängt sich der Verdacht auf, dass es den Eigentümern beim Kauf nur darum ging, sich die Patente und die Kundendatei zu sichern. Ihnen scheinen die Arbeitsplätze derjenigen, die dieses Knowhow aufgebaut haben, völlig egal zu sein."

Im neofeudalen Wirtschaftsmodell sind die Menschen, die Werte schaffen, um davon ihren Wohlstand zu mehren, allenfalls noch Statisten und nützliche Idioten. Verhindern liesse sich das nur, wenn die Menschen, die von einer solchen Ausgründung betroffen sind, dafür sorgen, dass das neue Unternehmen in ihre eigene Hand kommt und eine Rechtsform erhält, die einen solchen Ausverkauf unmöglich macht. Die einzig rechtliche Möglichkeit dafür bietet die Rechtsform der Genossenschaft. Leider haben hier die Gewerkschaften völlig versagt und werden ihrer Aufgabe nicht gerecht. Statt konstruktiv am Aufbau mitarbeitergeführter Unternehmen mitzuwirken, kämpfen Sie für den Erhalt der alten Eigentümerstrukturen, die für dieses Dilemma verantwortlich sind.